Don’t be shelfish
by Frau K. on 03/13/2007Foto von Alexandre Duret-Lutz unter CC
Es war März 2001, da bewunderten Ron Hornbaker und seine Frau Kaori die Seite phototag.com, auf der Einwegkameras in der Weltgeschichte herumreisen und jedes Bild die Geschichte eines Finders dokumentiert.
Die beiden wussten auch von der Bekanntheit von wheresgeorge, einer Trackingseite für Dollarnoten (als Trackingnummer wird dort die Seriennummer verwandt). Da stellte sich für die beiden eine Frage: Was für Gegenstände könnte man sonst noch zurückverfolgen wollen? Ein Blick auf das Bücherregal gab den entscheidenden Schubs. Bücher sollten es sein. Bookcrossing war geboren.
Da Ron seinerseits bei einer Software- und Internetfirma angestellt war (und auch noch ist), suchte er dort Unterstützung für seine Idee. Und bekam sie. Vier schlaflose Wochen später, am 17. April 2001, wurde Bookcrossing mit einem Werbeetat von 500 Dollar gestartet. Bis heute das einzige Geld, was in Werbung gesteckt wurde. Es folgten unzählige Artikel in Magazinen und Zeitungen, TV-Auftritte und Radiofeatures. Was zu Anfang eher verhalten begann ist mittlerweile ein ausgewachsenes Weltphänomen. Das so weit geht, dass es in das Concise Oxford English Dictionary eingetragen wurde (neben Wörtern wie Blogosphere!).

Der geneigte Leser wird sich an dieser Stelle langsam fragen: Worum gehts denn nun eigentlich genau? Die Antwort ist einfach: Man nehme ein Buch und registriere es auf bookcrossing.com, wo es eine “Seriennummer” bekommt. Diese Nummer muss im Buch notiert werden. Danach lässt man es irgendwo liegen. Parkbänke, Mauern, Telefonzellen, die Möglichkeiten sind unendlich. Und dann kann man Daumen drücken und hoffen, dass es bald von irgendeinem Menschen gefunden wird, der die Seriennummer (BCID) bei bookcrossing.com eingibt und seinen Kommentar zum Buch abgibt.
Macht man zusätzlich noch eine Release Note, also einen Hinweis, dass man das Buch an einer bestimmten Stelle liegen gelassen hat, dann bekommt das Bookcrossing noch den zusätzlichen Faktor des Jagens. Fast wie beim Geocaching.

Finanziert wird die inzwischen umfangreiche Seite über Spenden, durch Verkäufe im hauseigenen Store (in dem man Dinge wie Aufkleber, T-Shirts und ähnliches kaufen kann) und mittlerweile auch durch geschaltete Werbung. Traffic bezahlt sich nunmal nicht von alleine.
Nun aber die Frage: Warum macht man sowas überhaupt? Seine wertvollen und vielleicht auch liebgewonnenen Bücher in der Gegend verteilen? Es steckt schon eine gewisse Lust am Abenteuer dahinter. Doch wer denkt, dass Bookcrossing etwas für Einsiedler ist, die gern ihr eigenes Ding machen, der täuscht sich. Dahinter stecken auch Funktionen wie klassisches Networking. Und unter Bookcrossern trifft man sich gern. Knüpft Kontakte. Trifft sich zum lockeren Austausch (und da wird nicht nur über Literatur geplauscht!). Lernt Menschen kennen, die man unter normalen Umständen wohl nie kennen gelernt hätte.
Dass Bookcrossing auch in Deutschland eine große Fangemeinde hat, bestätigt nicht nur die Existenz einer deutschsprachigen Supportseite, sondern auch die dezidierten Statistiken.
Und auch wenn hierzulande der harte Kern vermutlich aus etwa 1000 Aktiven besteht, gibt es inzwischen wohl nur noch wenige Orte, an denen nicht schonmal ein Buch “vergessen” wurde.

Ein weltweites Phänomen mit inzwischen über einer halben Million Anhängern auf der ganzen Welt mit inzwischen fast 4 Millionen registrierten Büchern. Die ganze Welt als Bibliothek. Allein die Vorstellung, wie Bücher auf Reisen gehen…
Foto von Elisa (All rights reserved)


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