Das Safari für Windows Debakel
by guy.brush on 06/12/2007Ich hatte stets gehofft, dass Apples Safari eines Tages auch in einer offiziellen Windows-Version verfügbar sein würde und gestern war es dann soweit. Seit der gestrigen Keynote
gibt es Safari 3.0 Public Beta für Windows zum kostenlosen Download.
Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit. Webkit verrichtet schon seit geraumer Zeit klaglos seinen Dienst in iTunes für Windows. Den Rest des Browser auf Windows zu portieren sollte sich also nicht zu schwierig gestalten. Und spätestens mit der Verfügbarkeit des iPhones macht es Sinn, Safari möglichst vielen Webentwicklern zugänglich zu machen, denn der vollwertige Safari-Browser des iPhones scheint zur Zeit Apples eines der wichtigsten Verkaufsargumente zu sein. Um so wichtiger ist es, dass Entwickler die einfache Möglichkeit haben, ihre Seiten unter Safari zu testen.
Die Verfügbarkeit von Safari für Windows hat mich freudig überrascht und ich habe mich wie so viele andere Nerds auf den Download gestürzt. Da Quicktime Alternative nach Intervention von Apple nicht mehr weiterentwickelt wird habe ich mich aus Sicherheitserwägungen dafür
entschieden, mich davon zu trennen und gleich das Paket aus Quicktime und Safari zu installieren. Als Testsystem dient dabei Windows Vista in deutscher Version. Die Installation wirkte durchdacht und sauber. Das Installationsprogramm fragt brav, ob es Bonjour und Apple Update installieren darf und sowohl Quicktime als auch Safari nutzen vorbildlich die neue Dateitypen und Standardprogrammverwaltung von Windows Vista.
… und das war leider die letzte positive Überraschung, die mir Safari bereitet hat. In der aktuellen Version ist es schlicht eine Katastrophe. Es ist schwer in Worte zu fassen, wie enttäuscht ich von Safari bin. Ab jetzt kann ich eigentlich nur noch Fehler aneinanderreihen:
Ein Klick auf die Lesezeichenverwaltung lässt Safari abstürzen, immer, reproduzierbar und auf
allen mir bekannten Windows-Systemen (Update: Dieser Fehler scheint sich auf internationale Windows-Versionen zu beschränken. MacTechNews hat einen Workaround. Dank an Daniel für den Tipp). Und das ist nicht das einzige, was Safari zum Absturz bringt. Nicht einmal innerhalb von Apple.com kann man für mehr als ein paar Minuten ohne Absturz mit der “Public Beta” surfen. Hat Apple diese Version überhaupt vor dem Release getestet?
Auf einem deutschen System versucht Safari regelmäßig auf nicht vorhandene deutsche Ressourcen zurückzugreifen. Ärgerlich, aber in einer Beta wohl verzeihlich. Schwerer zu verzeihen ist die Missachtung der in der Windows-Welt üblichen mittleren Maustaste, selbst im Internet Explorer 7 lässt sich mit ihr ein geöffneter Reiter bequem schließen. Und eine absolute Zumutung ist der Weg, den Apple in der Schriftglättung beschreitet. Ein sauberes Schriftbild ist von enormer Wichtigkeit in einem Browser.
Microsoft bietet ab Windows XP glücklicherweise mit ClearType eine für TFTs hervorragende Glättung auf Subpixelbasis, die von jedem Windows-Programm genutzt werden kann. Safari ignoriert das und bringt eine eigen Schriftglättung mit. Der Safari für Windows Nutzer kann damit in drei Stufen zwischen “zermatscht und stark ausgebleicht”, “stark zermatscht” und “zermatscht und stark verlaufen” wählen. Apples Empfehlung der mittleren Stufe als “Best for Flat Panel” in den Optionen klingt wie Hohn.
Gut, offensichtlich ist ist Safari entgegen der Apple-Werbung und Ankündigung noch weit entfernt, um für den Endanwender nutzbar zu sein. Es ist ohnehin wahrscheinlicher, dass sich das Release an Entwickler richtet, die ihre Seiten auch auf breitest mögliche Browserkompatibilität testen möchten. Safari sollte für diese Entwickler keine große Hürde darstellen, immerhin war er der erste Browser, der öffentlichkeitswirksam den Acid2-test bestanden hat.
Aber auch in der Darstellung der Seiten ist Safari 3.0 Public Beta schlechter, als ich mir in meinen wildesten Alpträumen hätte ausmalen können. Die Ergebnisseite des Acid2-Tests ist die einzige Seite, die Safari unter Windows zur zeit korrekt darstellt. Das klingt maßlos
übertrieben, ist es aber leider kaum. Safari stellt nicht einmal die Ergebnisse einer Google-Suche korrekt dar! Nicht einmal die eigene Startseite von Apple ist unter Safari fehlerfrei. Selbst heise-online, eine Seite, die kaum konservativer und schlichter sein könnte, ist unter Safari gänzlich unbrauchbar. Faszinierend ist auch, dass Apple auf der Safari Seite einen Screenshot zeigt, in dem Safari für Windows Yahoo.com fehlerfrei darstellt, während die tatsächliche Public Beta nicht einmal dazu in der Lage ist.
An wen bitte soll sich diese Public Beta also richten? Es ist ein Browser, der zur Zeit 99% aller Seiten so fehlerhaft darstellt, dass sie unbrauchbar sind und zudem nicht einmal für wenige Minuten ohne Absturz genutzt werden kann um sich selbst von dieser Unfähigkeit zu überzeugen. Ich will nicht behaupten, dass Safari in der Windows-Version in Zukunft nicht stark verbessert wird, aber ich verstehe einfach nicht, wie und warum Apple dieses traurige Programm in seiner jetzigen Form auf die Menschheit hat loslassen können.
Kein anderer Softwarehersteller könnte oder würde es sich leisten, mit so viel Marketing-Tamtam ein Produkt auf den Markt zu werfen, dass gleichzeitig so unbrauchbar ist.
P.S.: Hauptargument für Safari ist laut Apple die hohe Geschwindigkeit und der schonende Umgang mit Ressourcen. Es ist mir auf meinem System gelungen mit Safari ganze 10 Minuten mit mehreren geöffneten Tabs ohne Absturz zu “surfen”. Safari belegte binnen dieser Zeit Arbeitsspeicher im hohen dreistelligen Bereich … nur um ihn glücklicherweise kurz darauf durch einen Absturz wieder freizugeben.
P.P.S.: Zweites Agrument für Safari sollte die hohe Sicherheit des Browsers sein. Laut Golem.de hat Safari für Windows zur Zeit wohl mehr Sicherheitslücken als alle anderen Browser zusammen.
There are 24 comments in this article: