Ich hatte ne schöne Zeit mit Dir, Flickr, keine Frage. Doch seitdem Du mir letzte Woche so blöd mitgespielt hast, habe ich keine Lust mehr auf Dich. Adiós, au revoir, arrivederci, Goodbye!
- Der Autor
Einige deutsche Flickr-Benutzer wissen aktuell nicht so recht, wie sie sich verhalten sollen. Auf der einen Seite zensiert Flickr was das Zeug hält und löst damit quer durch die Blogosphäre Unverständnis und Wut bei seinen Nutzern aus, auf der anderen Seite gestaltete sich die Suche nach Alternativ-Services bisher eher ernüchternd und die mit einem Wechsel verbundenen Strapazen (Verlust aller tags, aller Alben, aller Kontakte, der gesamten Community!) schreckten von selbigem ab. Doch macht es Flickr einem dieser Tage beeindruckend leicht, das Yahoo-Hoheitsgebiet endgültig zu verlassen und seit gestern morgen ist’s richtig stürmisch geworden vor der Küste Flickrs. Eine größere Welle packte in der Früh eine Schar deutscher Benutzer und spülte sie bis an die Strände Frankreichs. Dort scheint ein Auffanglager für Flickr-Flüchtlinge gefunden: ipernity.
Das 2004 entwickelte Netzwerk weist extreme, teilweise pixelgenaue Ähnlichkeit zu Flickrs User Interface auf, und kann hinsichtlich Gestaltung, Funktionsumfang und Bedienung zweifelsohne als french copycat bezeichnet werden. Vermutlich deswegen gefällt es jedoch den Ex-Flickroos.
Die meisten von Flickr bekannten Funktionen sind vorhanden und finden sich an ähnlicher Stelle, ähnlich gut benutzbar wieder: Es gibt Fotos mit Titel und Beschreibung, Alben, tags, Meta-Informationen (CC-Lizenzen, Geoposition, EXIF-Daten, …), einen Photostream, Favoriten, verschiedene Größen der Fotos, man kann Fotos direkt in seinem Weblog veröffentlichen, Notizen hinzufügen, sie kommentieren, … – kurz: man fühlt sich direkt zuhause.
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Im Gegensatz zu Flickr können außerdem Musik-Dateien und Videos hochgeladen und Texte in Blog-Form verfasst werden – nicht ohne Grund wurde ipernity bereits als “multi-function pocket knife of the web2.0″ bezeichnet.
Kontakte können – wie bei Flickr – der Gruppe(n) “Friends” und/oder “Family” angehören und finden sich nachher im persönlichen “Network” wieder. Dort existiert ebenfalls eine aggregierte Übersicht über sämtliche Inhalte aller Kontakte.

Mit Kontakten, die online sind, kann in einem Popup-Fenster ein Chat gestartet werden. Nett bei ipernity sind außerdem die Abo-Möglichkeiten der Inhalte seiner Kontakte. Macuser werden sich neben den üblichen RSS- und Atom-Feeds über iPhoto-Photocasts und den iTunes-Button freuen.
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Beim Upload von Dokumenten hat man neben der Einzelauswahl von Bildern auch die Möglichkeit mehrere Dokumente gleichzeitig über ein ActiveX-Applet hochzuladen oder – im Gegensat zu Flickr – ganze ZIP-Archive auf den Server zu schaufeln. Darüber hinaus können auch alle Medienobjekte einer Webseite gegrabbt werden, ein Upload per E-Mail ist angekündigt. Die plattformunabhängige Software iperUpload besitzt noch Optimierungspotenzial, funktioniert aber, und vielleicht gibt es ja auch bald schon eine Neuentwicklung für Switcher?
Der kostenlose Account beinhaltet 200 MB Upload pro Monat und die Beschränkung keine Fotos in Originalgröße weitergeben zu können. Jedoch taugt der Zugang, um mit dem System warm zu werden und später zu entscheiden, ob man sich für rd. 20 € im Jahr einen auf 1 GB pro Monat limitierten Pro-Account zulegt.
Als geeignete Flickr-Alternative bewerte ich ipernity mit 9 von 10 Sternen. Die Funktionen stimmen, der Style stimmt und so langsam wächst die Community auch heran. Den letzten Stern bekommen sie allerdings nicht, da man den Flickr-Spirit dann doch nicht einfach so kopieren kann.
Mein Download läuft und solange Flickr sich nichts wirklich wirklich Gutes einfallen lässt, startet bald der Upload. Kommt wer mit rüber oder hofft ihr auf Sonnenschein?
UPDATE 1 Mittlerweile existiert ein ein GreaseMonkey-Skript zum Importieren von flickr Bildern. Neben dem Bild werden Titel, Beschreibung, Geodaten und sogar die ersten 20 tags übernommen. Die Entwickler von ipernity scheinen längst begriffen zu haben, welche Funktionen ihre neuen Benutzer schätzen. Danke für den Hinweis, Kai!
Zum Autor:
Flickr-Flüchtling Tim schreibt sonst bei betalog.de, seinem persönlichen Weblog, Erfahrungsarchiv, Ideenlabor und Gedankensandkasten. Der online lebende Web-Entwickler ist sich auf der Suche nach neuen Techniken, Methoden und Trends für keinen Betatest zu schade und reitet so manchen Hype.

Nun, auf Sonnenschein wartet bestimmt eh keiner mehr. Der flickr-Himmel ist für lange Zeit alles andere als “strahlend blau”. Ipernity ist cool – soviel steht schonmal fest. Jetzt schaue ich erstmal, ob es nach dem Protest bei flickr Früchte zu ernten gibt. Egal was passieren wird; ich werde zukünftige nicht mehr eingleisig fahren und mich mit ipernity unabhängiger machen. Die Zeiten blauäugiger Benutzer-Euphorie sollte nun vorbei sein.
Irgendwie juckt’s mich ja auch umzuziehen. Und obwohl ich normalerweise ziemlich mutig bei solchen Dingen bin, ist es bei einem Goodbye von Flickr die Angst auf’s falsche Pferd zu setzen. Flickr ist eben Flickr. Und besonders, wenn man viele Leute aus anderen Ländern kennt und mit sich mit diesen über Flickr austauscht, ist es natürlich noch blöder, sich dem einfach so zu entziehen, nur weil Yahoo! so eine ungerechte Klassenunterscheidung einbaut. Einfach unverständlich. Und ihre blöde Ausrede von wegen rechtlichem Schutz in Deutschland können sie sich auch irgendwo hinschieben.
Funktioniert bei jemandem von euch das Greasemonkey-Skript? Oder sperrt sich gar Flickr gegen den Umzug?
Rübergeholte Bilder sehen bei mir jedenfalls so aus.
Eine andere Frage noch: Bevor ich mir jetzt die Arbeit mache, die Fotos zu ‘übertragen’, oder hochzuladen und neu zu taggen und zu beschreiben, interessiert mich folgendes:
Flickr hab ich spitze gefunden, weil es die EXIF- und IPTC-Daten von Bildern ausgelesen und sinnigerweise als Bildtitel, -beschreibung, Tags und sogar Geo-Tags verwendet hat. Wie verhält sich Ipernity dabei? Werden die Metadaten von Fotos korrekt ausgelesen und gleich in die passenden Felder übernommen?
@Ralph Die Metadaten stecken in den Originalbildern. Werden die von ipernity via GM Skript importiert bleiben sie auch erhalten. Ich habe es ausprobiert. Keine Sorgen! Was das Skript angeht; ich denke es funktioniert einwandfrei. Ab und zu nur nochmal nachsehen, ob es nicht vielleicht schon eine neuere Version des Skripts gibt.
MErke ich bei flickr mit nem US Account überhaupt etwas?
@foetoid Ja, deine deutschen Kontakte können u.U. deine Bilder nicht sehen.
PS: Vielleicht hattest Du dir diese Antwort erhofft..? ;)
ipernity fühlt sich gut an. Ich habe mich gerade angemeldet und ein paar meiner alten Musikstücke hochgeladen. Ist soweit sehr komfortabel. Und erkennt offensichtlich (zumindest teilweise) das Genre der hochgeladenen Stücke richtig. Ich bin beeindruckt.
@Kai: Danke für die Info. Hast du auch eine Idee, ob die erwähnten Metatags ausgelesen und in die entsprechenden Felder einfgefügt werden, wenn ich Bilder einfach nur hochlade? Ich habe leider gerade keine Bilder zur Hand, die vollständig mit Metadaten versehen sind…
hallo,
danke für den Hinweis auf ipernity.
Evtl. werde ich nun auch anfangen mir eine kleine Gallery aufzubauen.
LG Stulle
Mhh – ipernity baut auf die community; also legt euch ins Zeug und helft beim Uebersetzen :)
Ich hatte meine Hilfe vor einigen Wochen anfgeboten, bekam dann sogleich folgende Ruekfragen:
1 ) IN WHICH LANGUAGE WOULD YOU TRANSLATE ?
2) WHAT’S YOUR MOTHER TONGUE ? (please precise the country. For instance
English-Canada, Spanich-Chile…)
3) FROM WHICH LANGUAGE WOULD YOU TRANSLATE ? FRENCH OR ENGLISH ?
4) WHAT’S YOUR EXPERIENCE IN TRANSLATION ?
5) WHAT’S YOUR EXPERIENCE IN INTERNET ?
6) HOW MANY HOURS WOULD LIKE TO SPEND ?
7) HOW OLD ARE YOU ?
8) WHAT’S YOUR STUDIES LEVEL ?
hm erinnert mich irgendwie an das jaiku gehype bzw der versuch umzuziehen, weil twitter kurzzeitig ein wenig ueberlastet war…
hm.
@insk Der Vergleich hinkt etwas, finde ich. Hier geht es nicht um technische Probleme, die den ein oder anderen nerven und ihn schließlich dazu bewegen sich auf die Suche nach Alternativen zu machen, die seinen funktionalen Anforderungen gerecht werden.
Bei Flickr befindet sich das Problem auf einem höheren Level: Es geht tatsächlich um Zensur. Das kann Yahoo!/Flickr nennen wie sie wollen – sie zensieren, versperren nämlich einer ausgewählten Benutzergruppe den Zugang zu Informationen, ohne dass diese zum Zeitpunkt der Suchanfrage oder eines Albumaufrufs davon in Kenntnis gesetzt werden, dass die angezeigten Informationen – nach welchen Kriterien auch immer – gefiltert wurden.
Und einen Service, der Zensur ausübt, kann ich nicht weiter ruhigen Gewissens benutzen geschweige denn anderen empfehlen. Hier erscheint mir die Suche nach und die Bewertung von Alternativen gerechtfertigter und nicht als bloßer Hype.
insk, das ist halt der web2.0 hype ;)
Hey! Da bin ja ich ;)
Ich kann hier nur wiederholen, was ich schon mehrmals gesagt habe: Ipernity fühlt sich gut an.
Es ist heute der dritte Tag und minütlich loggen sich neue flüchtlinge ein:
Gestern um etwa 19 Uhr war die Mitgliederzahl von Ipernity 2932 und heute um 21:49 ist die Zahl auf 3758 gestiegen.
Ich kann jedem der noch zweifelt nur raten sich anzumelden und es selber auszuprobieren, wems nicht gefällt, der muss nicht wieder zurück.
Allerdings übernimmt Ipernity leider beim Upload keine IPTC-Daten aus den Bildern, anders als flickr. Das ist sehr schade, weil ich diese Daten eigentlich lokal immer erst einpflege und dann uploade. Ich probiere so lange mal noch mit 23hq.com rum; kein 1:1 Klon, aber auch sehr nett. Bisher auch ohne IPTC-Untersützung, aber mit einem sehr aktiven Support-Forum ;-)
Update: 23hq.com unterstützt jetzt IPTC. :-)
I have to say, that I could not agree with you in 100% regarding o.us poetry, but it’s just my opinion, which could be wrong :)