darf ich vorstellen? – plebs.tv

Aus unserer losen Reihe möchte ich heute die neue News-Plattform plebstv.com vorstellen. Dies ist der erste Artikel auf pl0g der gegen eine finanzielle Entlohnung fabriziert wurde. Entsprechend wird er auch gekennzeichnet.

Gebloggt für Bares, auch wir sind jung und brauchen das Geld. ;)

plebstv_welcome2.png

Der Aufbau varriert diesesmal auch etwas. Durch Überschriften könnte im optimalen Fall die Übersichtlichkeit und Lesbarkeit verbessert werden.

In der Rubrik “darf ich vorstellen” schneiden euch pl0g Autoren ein Stück vom Web20/Internet-Kuchen ab und präsentieren ihn euch auf einem Silberteller. Bon Appetit!

Aber kommen wir zum eigentlichen Inhalt dieses Eintrags:

Definition (Auszug von der plebstv.com Seite):

plebsTV bedeutet “news by people”, Nachrichten aus erster Hand, direkt von den Menschen, die dabei waren. So werden Augenzeugen zu Reportern und Nachrichten zur ungefilterten Wahrheit. Was ist wirklich los im Irak? Wer weiß etwas über diesen Autounfall hier ganz in der Nähe? Wo liegt eigentlich Usbekistan? Auf plebsTV finden Sie die Antworten – und Menschen mit gleichen Interessen.

Schauen wir uns das ganze mal genauer an:

plebstv_logo.gif

Features:

  • User-generated News via Ton, Bild, Video, Text
  • unterschiedliche Ansicht dieser News (Map, Timeline, Filter, etc.)
  • Bewertungs- und Kommentar-Funktion für einzelne Einträge
  • Link auf einen Eintrag (Permalink)
  • Option der Aufbereitung von Einträgen durch die User als definierter “Channel” (geführter Konsum)
  • Gruppenfunktion
  • Ranking der News, anhand dessen Provision ausgezahlt wird

plebstv_overview.pngAuf den ersten Blick fühlte ich mich erinnert an den Agentur-befüllten “Wii-Nachrichten-Kanal” auf Nintendos Konsole. Die Kombination aus Geo-Daten und Inhalten steht wohl bei plebstv darstellungstechnisch an erster Stelle. Gelistet werden Einsendungen der User im Bild-, Video-, Text- oder Linkformat. Hellblaue Pins zieren die Karte und weisen auf News-Einträge hin. In Zeiten von Bewegtbild wird besonderer Wert auf Video gelegt. Die News können zu sogenannten “Channels” zusammengefasst werden. Hier sind erneut die User gefragt, die somit auch zum Regisseur werden können. Somit lassen sich ganze Sendungen zusammenstellen und aufbereiten. Zur aktuellen Beta ist die Ansicht als plebstv_groups.pngZeitleiste angedacht, allerdings noch nicht ganz implementiert. An der Gruppenfunktionalität wird ebenfalls noch massiv geschraubt. Denkbar wären Interessensgemeinschaften, die sich z. B. mit speziellen Themen auseinandersetzen (Konzerte, Messen, etc.). Die Möglichkeit zum Austausch zwischen den Usern kann über den direkten Kommentar zu einem Eintrag oder via Forum geschehen, direkte Nachrichten sind durch die interne Poststelle ebenfalls möglich.

plebstv_eintrag.png

Besonderheiten:

Das wirklich Besondere stellt das “Entlohnungsmodell” von plebstv dar. Die generierten Inhalte der User werden in einer monatlichen Top100 gelistet. Platz 1 erhält momentan 100 €, Platz 2 99 € usw. Das ist durchaus ein attraktives Argument Inhalte einzustellen, um seine Kriegskasse aufzufüllen. In den meisten 2.0 Angeboten wird sich, wenn plebstv_welcome.pngüberhaupt, erst nach geraumer Zeit Gedanken über eine evtl. Be- bzw. Entlohnung der User, welche die Inhalte zur Verfügung stellen, gemacht. Wenn der Mehrwert für den User neben der Informationen der anderen und der Organisation/Plattform des Anbieters auch noch Bares bedeuten kann, ist dies löblich. Das angedachte Punktesystem bedarf sicherlich, wie auf fast allen Plattformen, einem gewissen Feintuning und wird sich im Laufe der Zeit weiterentwickeln. Schließlich kann ein Eintrag auch durch entsprechend sinnvolle und inhaltliche Kommentare aufgewertet werden bzw. bekommt erst durch diese eine höhere Relevanz.

Eventuell auch nicht ganz uninteressant ist folgender Abschnitt in der Pressemitteilung vom 12.07.2007 von plebstv.com:

Zur Gewährleistung des demokratischen Grundsatzes der Berichterstattung sowie der Unabhängigkeit von Einflüssen verschiedener Interessensgruppen, hat die hinter dem Projekt stehende Investorengruppe plebsTV Ltd. auf British Virgin Island domiziliert.

Die Gründung einer Ltd. ist in deutschen Startup-Butzen sicherlich keine Ausnahme mehr. Dies hat laut meinem Wissenstand allerdings zumeist zeitliche oder steuerliche Gründe und ist weniger auf die geltende Rechtssprechung zu beziehen. Womit wir wieder plebstv_news.pngzu einem generellen Problem bei User Generated Content zu sprechen kommen. plebs.tv wird neben der eigenen Beobachtung der Einträge natürlich auch besonders darauf Wert legen müssen, dass die eigentlichen Nutzer bedenkliche Inhalte via “Eintrag melden” entsprechend kennzeichnen. Das allgemeine Rauschen könnte sich wirklich im Rahmen halten, zumindest was die Top-Einträge angeht. Die Digg-Funktionalität via “pleb it” sowie “ban it” kennt man mittlerweile von diversen Plattformen.

Sehr schön und nennenswert finde ich die Anzeige der registrierten Nutzer auf der Karte. Ein meist unterschätztes Feature, wodurch eine einfache optische Verbindung bzw. Nachvollziehbarkeit zu den Teilnehmern hergestellt werden kann.

Einschätzung / Fazit:

plebstv_logo.gifErklärter Kunde sowie Generator ist das “einfache Volk“, fernab von organisierten Nachrichten-Agenturen und professioneller Berichterstattung. Ob die schmale Gratwanderung zwischen Bild-Leser-Reporter-Klischee und ernstzunehmendem, qualitativ hochwertigerem Bürger-Journalismus auf einer ansprechenden Plattform gelingt, hängt aus meiner Sicht primär vom reagierenden und skeptisch partizipierenden “Pro”-sumenten ab, die vor allem durch die Interaktion (Vote- und Kommentar-Funktion) mit den Inhalten über über deren Relevanz, Aktualität und Genauigkeit entscheiden können und sollten. “Content is King”, während dem Beta-Zeitraum ist erwartungsgemäß recht wenig von selbigem wiederzufinden. Gerade der Anfang wird maßgeblich über den dauerhaften Erfolg der Plattform bestimmen.

Es wird spannend die Entwicklung zu beobachten. Von daher erkläre ich das hier zu einem work-in-progress Eintrag. Beta Launch wird am 14. September 2007 sein. Mehr Info ist dann auf www.plebstv.com zu finden.

:?: Wie seht ihr das? Denk Ihr das so eine Plattform funktionieren kann? Würdet Ihr selbst dort publizieren bzw. euch informieren? Ich freue mich auf Eure Antworten :-)

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8 Kommentare zu “darf ich vorstellen? – plebs.tv”


  1. 1 Ed Wohlfahrt

    he mann warum nicht?! Mit dieser Kennzeichnung “für bares” finde ich es mehr als ok. und überhaupt stellt dir/euch die tatsache, dass andere via plOg.de kommunizieren wollen ein überaus positives zeugnis aus!

  2. 2 PeaDot

    Ich finde das zumindest erstmal ein sehr interessantes Konzept, Neugier ist der Katze Tod aber will dennoch befriedigt werden. Ein Aspekt scheint mir jedoch vllt. nicht recht berücksichtigt worden zu sein: Wenn diese Seite Kreise zieht und sich aus ihr heraus sensationsgeile Gaffer zu Profijournalisten befördert fühlen, könnte das im Extremfall eine lebensgefährliche Kombination aus Größenwahn und Geldgier werden. Im Extremfall, wie gesagt. Schlaue Entscheidung seitens des Betreibers sich aus der deutschen Jurisdikation zu halten und die Verantwortung für die Inhalte an die jeweiligen Autoren abzugeben, ein interessanter Ansatz, wie ich finde. Ich werde diese Seite dennoch beobachten, der Gaffer, der in jedem von uns steckt will doch befriedigt werden :)

  3. 3 Andi

    Schön vorgestellt und (ohne Nachprüfung meinerseits) zusammengefasst. Hört sich nach einem interessanten Konzept an.
    Nur.
    Das interessiert mich nicht die Bohne! (Überspitzung is the new Nacktehaut!)
    Selbst die Wikinews, IMHO populärstes Citizen-Journalismus-Beispiel kann mich nicht zum Mitmachen begeistern. Und ein paar Euro ändern für mich zumindest daran auch nichts.
    Klar, jetzt kann man einwenden, alle News sind gesteuert von gewinnorientierten Kapitalistenilluminaten, die von der Erdölindustrie bezahlt werden, den Irakkrieg als harmlos und angebracht darzustellen. Man müsse also eine unabhängige Antwort auf eine Berichterstattung haben. Kann man. Ist für mich aber nur verschwörungstheoretischer Schwachsinn gelangweilter Weltretter. ;)

  4. 4 mc_o

    wenn sich das wie geplant als infothek etabliert, steh´ich dem projekt sehr aufgeschlossen gegenüber. wenn daraus nur ein weiterer kanal für “lustige” hausunfallvideos wird, kann ich dem nichts abgewinnen.

  5. 5 insk

    werde auch mal auf “watching”-modus schalten und plebs.tv ein wenig beobachten. eigtl. kann ich mir ganz gut vorstellen, dass eine solche plattform funktionieren kann!

    weitere fun, muff und unfallvideo sites, sind wie mc_o schon sagt, nicht wirklich brauchbar…

  6. 6 LeoM

    abgesehen von der Frage nach der Relevanz der Nachrichten (die hängt dann ja gänzlich von der Community ab – sowohl der produzierenden wie der konsumierenden – die ausser der rechtlichen die einzige Kontrollinstanz ist. Und da kann es dann ja Ausschläge in die Richtung reiner Voyeurismus vs. echter Grassroot-Journalismus geben) stellt sich die hässlich zweite: wie wollen die Geld verdienen (insbesondere, da sie ja offenbar welches auszahlen wollen)?
    Gibt es dazu irgendwelche interessanten Erkenntnisse? Ist immerhin eine der wichtigsten Steuerungskräfte, denn wer bezahl bestimmt die Musik.

  7. 7 Oliver

    Schön geschrieben! Aber viel wichtiger: obwohl es entlohnt wird / wurde, habe ich trotzdem das Gefühl, eine ehrliche Meinung dazu gelesen zu haben. Von daher Daumen hoch. Ein wenig Geld für die ganze Arbeit zu bekommen schadet hier nicht dem Content…

    Die Plattform und die Idee dahinter hat Potenzial. Ganz gleich ob es sich positiv oder negativ entwickelt, in beide Richtungen gibt es Extrema. Die Gefahr existiert und ist auch reell, dass hier falscher, bewusst oder unbewusst, oder einfach gefährdernder Inhalt generiert wird. Aber im Gegensatz hierzu bietet sich hier eine Chance, direkter und vielleicht auch unabhängiger Informationen und Eindrücke sammeln zu können.

    Die weitreichende Unzufriedenheit mit großen Nachrichtenagenturen wegen ihrer (teilweise) Abhängigkeit von wirtschaftlichen Faktoren und politischer Färbung führt natürlich zu alternativen Contentquellen. Aber ein Individuum ist meistens noch viel abhängiger als eine solche Organisation. Die Qualität und Unabhängigkeit einer BBC wird fast kein Individuum erreichen können, aber trotzdem sind diese Plattformen wichtig.

    Auch wenn sich viele Verbraucher neue Quellen und Content erhoffen, sehe ich hier einen anderen Mehrwert: Nachrichtenagenturen können einfacher an Korrespondenten kommen und diese vorher anhand ihrer Arbeit kennen lernen. Folglich führt ein solches Angebot auch zur Verbesserung der herkömmlichen Nachrichtenquellen. Konkurrenz belebt schließlich das Geschäft. Deshalb werde ich gespannt auf plebs.tv schauen.

    Danke für den Hinweis!

  1. 1 Periodismo Ciudadano
    Pingback am 16. Sep 2007 um 22:47

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