darf ich vorstellen? – plebs.tv

by .dean on 09/12/2007

Aus unserer losen Reihe möchte ich heute die neue News-Plattform plebstv.com vorstellen. Dies ist der erste Artikel auf pl0g der gegen eine finanzielle Entlohnung fabriziert wurde. Entsprechend wird er auch gekennzeichnet.

Gebloggt f√ľr Bares, auch wir sind jung und brauchen das Geld. ;)

plebstv_welcome2.png

Der Aufbau varriert diesesmal auch etwas. Durch Überschriften könnte im optimalen Fall die Übersichtlichkeit und Lesbarkeit verbessert werden.

In der Rubrik “darf ich vorstellen” schneiden euch pl0g Autoren ein St√ľck vom Web20/Internet-Kuchen ab und pr√§sentieren ihn euch auf einem Silberteller. Bon Appetit!

Aber kommen wir zum eigentlichen Inhalt dieses Eintrags:

Definition (Auszug von der plebstv.com Seite):

plebsTV bedeutet “news by people”, Nachrichten aus erster Hand, direkt von den Menschen, die dabei waren. So werden Augenzeugen zu Reportern und Nachrichten zur ungefilterten Wahrheit. Was ist wirklich los im Irak? Wer wei√ü etwas √ľber diesen Autounfall hier ganz in der N√§he? Wo liegt eigentlich Usbekistan? Auf plebsTV finden Sie die Antworten ‚Äď und Menschen mit gleichen Interessen.

Schauen wir uns das ganze mal genauer an:

plebstv_logo.gif

Features:

  • User-generated News via Ton, Bild, Video, Text
  • unterschiedliche Ansicht dieser News (Map, Timeline, Filter, etc.)
  • Bewertungs- und Kommentar-Funktion f√ľr einzelne Eintr√§ge
  • Link auf einen Eintrag (Permalink)
  • Option der Aufbereitung von Eintr√§gen durch die User als definierter “Channel” (gef√ľhrter Konsum)
  • Gruppenfunktion
  • Ranking der News, anhand dessen Provision ausgezahlt wird

plebstv_overview.pngAuf den ersten Blick f√ľhlte ich mich erinnert an den Agentur-bef√ľllten “Wii-Nachrichten-Kanal” auf Nintendos Konsole. Die Kombination aus Geo-Daten und Inhalten steht wohl bei plebstv darstellungstechnisch an erster Stelle. Gelistet werden Einsendungen der User im Bild-, Video-, Text- oder Linkformat. Hellblaue Pins zieren die Karte und weisen auf News-Eintr√§ge hin. In Zeiten von Bewegtbild wird besonderer Wert auf Video gelegt. Die News k√∂nnen zu sogenannten “Channels” zusammengefasst werden. Hier sind erneut die User gefragt, die somit auch zum Regisseur werden k√∂nnen. Somit lassen sich ganze Sendungen zusammenstellen und aufbereiten. Zur aktuellen Beta ist die Ansicht als plebstv_groups.pngZeitleiste angedacht, allerdings noch nicht ganz implementiert. An der Gruppenfunktionalit√§t wird ebenfalls noch massiv geschraubt. Denkbar w√§ren Interessensgemeinschaften, die sich z. B. mit speziellen Themen auseinandersetzen (Konzerte, Messen, etc.). Die M√∂glichkeit zum Austausch zwischen den Usern kann √ľber den direkten Kommentar zu einem Eintrag oder via Forum geschehen, direkte Nachrichten sind durch die interne Poststelle ebenfalls m√∂glich.

plebstv_eintrag.png

Besonderheiten:

Das wirklich Besondere stellt das “Entlohnungsmodell” von plebstv dar. Die generierten Inhalte der User werden in einer monatlichen Top100 gelistet. Platz 1 erh√§lt momentan 100 ‚ā¨, Platz 2 99 ‚ā¨ usw. Das ist durchaus ein attraktives Argument Inhalte einzustellen, um seine Kriegskasse aufzuf√ľllen. In den meisten 2.0 Angeboten wird sich, wenn plebstv_welcome.png√ľberhaupt, erst nach geraumer Zeit Gedanken √ľber eine evtl. Be- bzw. Entlohnung der User, welche die Inhalte zur Verf√ľgung stellen, gemacht. Wenn der Mehrwert f√ľr den User neben der Informationen der anderen und der Organisation/Plattform des Anbieters auch noch Bares bedeuten kann, ist dies l√∂blich. Das angedachte Punktesystem bedarf sicherlich, wie auf fast allen Plattformen, einem gewissen Feintuning und wird sich im Laufe der Zeit weiterentwickeln. Schlie√ülich kann ein Eintrag auch durch entsprechend sinnvolle und inhaltliche Kommentare aufgewertet werden bzw. bekommt erst durch diese eine h√∂here Relevanz.

Eventuell auch nicht ganz uninteressant ist folgender Abschnitt in der Pressemitteilung vom 12.07.2007 von plebstv.com:

Zur Gew√§hrleistung des demokratischen Grundsatzes der Berichterstattung sowie der Unabh√§ngigkeit von Einfl√ľssen verschiedener Interessensgruppen, hat die hinter dem Projekt stehende Investorengruppe plebsTV Ltd. auf British Virgin Island domiziliert.

Die Gr√ľndung einer Ltd. ist in deutschen Startup-Butzen sicherlich keine Ausnahme mehr. Dies hat laut meinem Wissenstand allerdings zumeist zeitliche oder steuerliche Gr√ľnde und ist weniger auf die geltende Rechtssprechung zu beziehen. Womit wir wieder plebstv_news.pngzu einem generellen Problem bei User Generated Content zu sprechen kommen. plebs.tv wird neben der eigenen Beobachtung der Eintr√§ge nat√ľrlich auch besonders darauf Wert legen m√ľssen, dass die eigentlichen Nutzer bedenkliche Inhalte via “Eintrag melden” entsprechend kennzeichnen. Das allgemeine Rauschen k√∂nnte sich wirklich im Rahmen halten, zumindest was die Top-Eintr√§ge angeht. Die Digg-Funktionalit√§t via “pleb it” sowie “ban it” kennt man mittlerweile von diversen Plattformen.

Sehr schön und nennenswert finde ich die Anzeige der registrierten Nutzer auf der Karte. Ein meist unterschätztes Feature, wodurch eine einfache optische Verbindung bzw. Nachvollziehbarkeit zu den Teilnehmern hergestellt werden kann.

Einschätzung / Fazit:

plebstv_logo.gifErkl√§rter Kunde sowie Generator ist das “einfache Volk“, fernab von organisierten Nachrichten-Agenturen und professioneller Berichterstattung. Ob die schmale Gratwanderung zwischen Bild-Leser-Reporter-Klischee und ernstzunehmendem, qualitativ hochwertigerem B√ľrger-Journalismus auf einer ansprechenden Plattform gelingt, h√§ngt aus meiner Sicht prim√§r vom reagierenden und skeptisch partizipierenden “Pro”-sumenten ab, die vor allem durch die Interaktion (Vote- und Kommentar-Funktion) mit den Inhalten √ľber √ľber deren Relevanz, Aktualit√§t und Genauigkeit entscheiden k√∂nnen und sollten. “Content is King”, w√§hrend dem Beta-Zeitraum ist erwartungsgem√§√ü recht wenig von selbigem wiederzufinden. Gerade der Anfang wird ma√ügeblich √ľber den dauerhaften Erfolg der Plattform bestimmen.

Es wird spannend die Entwicklung zu beobachten. Von daher erkläre ich das hier zu einem work-in-progress Eintrag. Beta Launch wird am 14. September 2007 sein. Mehr Info ist dann auf www.plebstv.com zu finden.

:?: Wie seht ihr das? Denk Ihr das so eine Plattform funktionieren kann? W√ľrdet Ihr selbst dort publizieren bzw. euch informieren? Ich freue mich auf Eure Antworten :-)

There are 8 comments in this article:

  1. 09/12/2007Ed Wohlfahrt says:

    he mann warum nicht?! Mit dieser Kennzeichnung “f√ľr bares” finde ich es mehr als ok. und √ľberhaupt stellt dir/euch die tatsache, dass andere via plOg.de kommunizieren wollen ein √ľberaus positives zeugnis aus!

  2. 09/12/2007PeaDot says:

    Ich finde das zumindest erstmal ein sehr interessantes Konzept, Neugier ist der Katze Tod aber will dennoch befriedigt werden. Ein Aspekt scheint mir jedoch vllt. nicht recht ber√ľcksichtigt worden zu sein: Wenn diese Seite Kreise zieht und sich aus ihr heraus sensationsgeile Gaffer zu Profijournalisten bef√∂rdert f√ľhlen, k√∂nnte das im Extremfall eine lebensgef√§hrliche Kombination aus Gr√∂√üenwahn und Geldgier werden. Im Extremfall, wie gesagt. Schlaue Entscheidung seitens des Betreibers sich aus der deutschen Jurisdikation zu halten und die Verantwortung f√ľr die Inhalte an die jeweiligen Autoren abzugeben, ein interessanter Ansatz, wie ich finde. Ich werde diese Seite dennoch beobachten, der Gaffer, der in jedem von uns steckt will doch befriedigt werden :)

  3. 09/12/2007Andi says:

    Sch√∂n vorgestellt und (ohne Nachpr√ľfung meinerseits) zusammengefasst. H√∂rt sich nach einem interessanten Konzept an.
    Nur.
    Das interessiert mich nicht die Bohne! (√úberspitzung is the new Nacktehaut!)
    Selbst die Wikinews, IMHO popul√§rstes Citizen-Journalismus-Beispiel kann mich nicht zum Mitmachen begeistern. Und ein paar Euro √§ndern f√ľr mich zumindest daran auch nichts.
    Klar, jetzt kann man einwenden, alle News sind gesteuert von gewinnorientierten Kapitalistenilluminaten, die von der Erd√∂lindustrie bezahlt werden, den Irakkrieg als harmlos und angebracht darzustellen. Man m√ľsse also eine unabh√§ngige Antwort auf eine Berichterstattung haben. Kann man. Ist f√ľr mich aber nur verschw√∂rungstheoretischer Schwachsinn gelangweilter Weltretter. ;)

  4. 09/12/2007mc_o says:

    wenn sich das wie geplant als infothek etabliert, steh¬īich dem projekt sehr aufgeschlossen gegen√ľber. wenn daraus nur ein weiterer kanal f√ľr “lustige” hausunfallvideos wird, kann ich dem nichts abgewinnen.

  5. 09/12/2007insk says:

    werde auch mal auf “watching”-modus schalten und plebs.tv ein wenig beobachten. eigtl. kann ich mir ganz gut vorstellen, dass eine solche plattform funktionieren kann!

    weitere fun, muff und unfallvideo sites, sind wie mc_o schon sagt, nicht wirklich brauchbar…

  6. 09/13/2007LeoM says:

    abgesehen von der Frage nach der Relevanz der Nachrichten (die hängt dann ja gänzlich von der Community ab Рsowohl der produzierenden wie der konsumierenden Рdie ausser der rechtlichen die einzige Kontrollinstanz ist. Und da kann es dann ja Ausschläge in die Richtung reiner Voyeurismus vs. echter Grassroot-Journalismus geben) stellt sich die hässlich zweite: wie wollen die Geld verdienen (insbesondere, da sie ja offenbar welches auszahlen wollen)?
    Gibt es dazu irgendwelche interessanten Erkenntnisse? Ist immerhin eine der wichtigsten Steuerungskräfte, denn wer bezahl bestimmt die Musik.

  7. 09/14/2007Oliver says:

    Sch√∂n geschrieben! Aber viel wichtiger: obwohl es entlohnt wird / wurde, habe ich trotzdem das Gef√ľhl, eine ehrliche Meinung dazu gelesen zu haben. Von daher Daumen hoch. Ein wenig Geld f√ľr die ganze Arbeit zu bekommen schadet hier nicht dem Content…

    Die Plattform und die Idee dahinter hat Potenzial. Ganz gleich ob es sich positiv oder negativ entwickelt, in beide Richtungen gibt es Extrema. Die Gefahr existiert und ist auch reell, dass hier falscher, bewusst oder unbewusst, oder einfach gef√§hrdernder Inhalt generiert wird. Aber im Gegensatz hierzu bietet sich hier eine Chance, direkter und vielleicht auch unabh√§ngiger Informationen und Eindr√ľcke sammeln zu k√∂nnen.

    Die weitreichende Unzufriedenheit mit gro√üen Nachrichtenagenturen wegen ihrer (teilweise) Abh√§ngigkeit von wirtschaftlichen Faktoren und politischer F√§rbung f√ľhrt nat√ľrlich zu alternativen Contentquellen. Aber ein Individuum ist meistens noch viel abh√§ngiger als eine solche Organisation. Die Qualit√§t und Unabh√§ngigkeit einer BBC wird fast kein Individuum erreichen k√∂nnen, aber trotzdem sind diese Plattformen wichtig.

    Auch wenn sich viele Verbraucher neue Quellen und Content erhoffen, sehe ich hier einen anderen Mehrwert: Nachrichtenagenturen k√∂nnen einfacher an Korrespondenten kommen und diese vorher anhand ihrer Arbeit kennen lernen. Folglich f√ľhrt ein solches Angebot auch zur Verbesserung der herk√∂mmlichen Nachrichtenquellen. Konkurrenz belebt schlie√ülich das Gesch√§ft. Deshalb werde ich gespannt auf plebs.tv schauen.

    Danke f√ľr den Hinweis!

  8. 09/16/2007Periodismo Ciudadano says:

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