Vorgestern ging eine kurze DPA Meldung durch die Nachrichten und durch die Blogs:
Der Lebensmittel-Discounter Lidl hat einen Käse wegen Gesundheitsgefahr zurückgerufen. Im Gruyère der französischen Firma “Duc de Coeur” sei das Darmbakterium E. coli gefunden worden. Der Keim kann schon in geringen Dosen zu gefährlichem Durchfall führen. Die 160-Gramm-Packung hat das Haltbarkeitsdatum 12.03.2007. Lidl rief die Kunden auf, den Käse nicht zu verspeisen und zurückzubringen.
E. Coli ist ein alter Bekannter von mir, im Labor habe ich schon seinen großen Verwandtenkreis auf Agar-Platten betrachtet. Der Nachweis für E. coli ist relativ leicht, das konnte sogar ich. Normalerweise leben wir mit diesem Darmbakterium in Symbiose und es ist völlig harmlos, leider gibt es einige Stämme, die zu Darmblutungen, Montezumas Rache, Nierenschäden, Diabetes und in extremen Fällen zu milden Formen von Tod führen können. Zudem sind die Biester furchtbar ansteckend, 20-100 reichen schon für eine Infektion.
So ein Darmbakterium hat also in einem schweizer Mittelthartkäse nichts zu suchen. Da LIDLs gar nicht so billiger (1,99€ für 160g) Abklatsch dieses Käses (er stammt meines Wissens nämlich nicht aus der Schweiz sondern irgendwo aus Frankreich) nicht einmal aus Rohmilch hergestellt wurde, ist das schon eine grobe Panne.
Das würde mich, wie so viele andere Rückrufe gar nicht interessieren, doch diesmal ist alles anders: Meine Freundin und ich mochten diesen Käse und wir haben ihn ausgesprochen
regelmäßig gekauft. Der Gruyère gehörte zu den geschmacksintensivsten Discounter-Käsesorten und war für uns als Studtenten gerade noch erschwinglich.
Schlimmer noch, ich bin mir ziemlich sicher, dass wir auch Käse mit dem betroffenen Haltbarkeitsdatum genüsslich verzehrt haben. Allerdings geht’s uns beiden gut, so ein lächerliches Bakterium kriegt uns nicht klein.
Was mich jedoch immer noch wurmt ist das Gefühl, dass LIDL evtl. schon deutlich länger von der Verseuchung wusste und man versucht, sie auf Kosten der Verbraucher unter den Teppich zu kehren. Ich hoffe, dieses Gefühl trügt. Die Tatsache, dass man die Information über den Rückruf weder in meiner lokalen Filiale noch auf der offiziellen Website findet, hilft leider nicht, das Gefühl zu mindern.
Was jedoch schwerer wiegt war, dass der Käse meines Wissens ein Haltbarkeitsdatum von deutlich mehr als nur 9 Tagen hatte, der Käse wurde also eine recht lange Zeit vor dem Rückruf verkauft. Oder eben auch nicht: Ende vorletzter Woche stand er auf meinem Einkaufszettel, leider gab es in der Kiste statt den üblichen drei Käsesorten nur noch langweiligen Emmentaler … ausverkauft dachte ich, schade. Am Montag letzter Woche war dann das gesamte Käsesortiment von “Duc de Coeur” spurlos aus dem LIDL verschwunden, selbst das Preisschild fehlte im Regal. Ich hatte befürchtet, der Käse sei schlicht aus dem Sortiment genommen worden und mir sonst nichts weiter dazu gedacht. Der Rückruf und die Warnung kam jedoch erst eine knappe Woche danach.
Jetzt habe ich zumindest das Gefühl, dass LIDL möglicherweise schon merklich vor mir wusste, dass der Käse in meinem Kühlschrank gesundheitsgefährdend war und trotzdem kaum etwas unternommen hat, mich rechtzeitig zu warnen.
Was soll’s, uns geht`s gut ich fahr´gleich erstmal zum LIDL, irgendwie hab ich jetzt richtig Hunger auf Hartkäse bekommen und wir haben keinen mehr im Kühlschrank …