20 Umzugskartons voller Bilder – Goodbye Flickr!
06/19/2007Ich hatte ne schöne Zeit mit Dir, Flickr, keine Frage. Doch seitdem Du mir letzte Woche so blöd mitgespielt hast, habe ich keine Lust mehr auf Dich. Adiós, au revoir, arrivederci, Goodbye!
- Der Autor
Einige deutsche Flickr-Benutzer wissen aktuell nicht so recht, wie sie sich verhalten sollen. Auf der einen Seite zensiert Flickr was das Zeug hält und löst damit quer durch die Blogosphäre Unverständnis und Wut bei seinen Nutzern aus, auf der anderen Seite gestaltete sich die Suche nach Alternativ-Services bisher eher ernüchternd und die mit einem Wechsel verbundenen Strapazen (Verlust aller tags, aller Alben, aller Kontakte, der gesamten Community!) schreckten von selbigem ab. Doch macht es Flickr einem dieser Tage beeindruckend leicht, das Yahoo-Hoheitsgebiet endgültig zu verlassen und seit gestern morgen ist’s richtig stürmisch geworden vor der Küste Flickrs. Eine größere Welle packte in der Früh eine Schar deutscher Benutzer und spülte sie bis an die Strände Frankreichs. Dort scheint ein Auffanglager für Flickr-Flüchtlinge gefunden: ipernity.
Das 2004 entwickelte Netzwerk weist extreme, teilweise pixelgenaue Ähnlichkeit zu Flickrs User Interface auf, und kann hinsichtlich Gestaltung, Funktionsumfang und Bedienung zweifelsohne als french copycat bezeichnet werden. Vermutlich deswegen gefällt es jedoch den Ex-Flickroos.
Die meisten von Flickr bekannten Funktionen sind vorhanden und finden sich an ähnlicher Stelle, ähnlich gut benutzbar wieder: Es gibt Fotos mit Titel und Beschreibung, Alben, tags, Meta-Informationen (CC-Lizenzen, Geoposition, EXIF-Daten, …), einen Photostream, Favoriten, verschiedene Größen der Fotos, man kann Fotos direkt in seinem Weblog veröffentlichen, Notizen hinzufügen, sie kommentieren, … – kurz: man fühlt sich direkt zuhause.
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Im Gegensatz zu Flickr können außerdem Musik-Dateien und Videos hochgeladen und Texte in Blog-Form verfasst werden – nicht ohne Grund wurde ipernity bereits als “multi-function pocket knife of the web2.0″ bezeichnet.
Kontakte können – wie bei Flickr – der Gruppe(n) “Friends” und/oder “Family” angehören und finden sich nachher im persönlichen “Network” wieder. Dort existiert ebenfalls eine aggregierte Übersicht über sämtliche Inhalte aller Kontakte.

Mit Kontakten, die online sind, kann in einem Popup-Fenster ein Chat gestartet werden. Nett bei ipernity sind außerdem die Abo-Möglichkeiten der Inhalte seiner Kontakte. Macuser werden sich neben den üblichen RSS- und Atom-Feeds über iPhoto-Photocasts und den iTunes-Button freuen.
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Beim Upload von Dokumenten hat man neben der Einzelauswahl von Bildern auch die Möglichkeit mehrere Dokumente gleichzeitig über ein ActiveX-Applet hochzuladen oder – im Gegensat zu Flickr – ganze ZIP-Archive auf den Server zu schaufeln. Darüber hinaus können auch alle Medienobjekte einer Webseite gegrabbt werden, ein Upload per E-Mail ist angekündigt. Die plattformunabhängige Software iperUpload besitzt noch Optimierungspotenzial, funktioniert aber, und vielleicht gibt es ja auch bald schon eine Neuentwicklung für Switcher?
Der kostenlose Account beinhaltet 200 MB Upload pro Monat und die Beschränkung keine Fotos in Originalgröße weitergeben zu können. Jedoch taugt der Zugang, um mit dem System warm zu werden und später zu entscheiden, ob man sich für rd. 20 € im Jahr einen auf 1 GB pro Monat limitierten Pro-Account zulegt.
Als geeignete Flickr-Alternative bewerte ich ipernity mit 9 von 10 Sternen. Die Funktionen stimmen, der Style stimmt und so langsam wächst die Community auch heran. Den letzten Stern bekommen sie allerdings nicht, da man den Flickr-Spirit dann doch nicht einfach so kopieren kann.
Mein Download läuft und solange Flickr sich nichts wirklich wirklich Gutes einfallen lässt, startet bald der Upload. Kommt wer mit rüber oder hofft ihr auf Sonnenschein?
UPDATE 1 Mittlerweile existiert ein ein GreaseMonkey-Skript zum Importieren von flickr Bildern. Neben dem Bild werden Titel, Beschreibung, Geodaten und sogar die ersten 20 tags übernommen. Die Entwickler von ipernity scheinen längst begriffen zu haben, welche Funktionen ihre neuen Benutzer schätzen. Danke für den Hinweis, Kai!
Zum Autor:
Flickr-Flüchtling Tim schreibt sonst bei betalog.de, seinem persönlichen Weblog, Erfahrungsarchiv, Ideenlabor und Gedankensandkasten. Der online lebende Web-Entwickler ist sich auf der Suche nach neuen Techniken, Methoden und Trends für keinen Betatest zu schade und reitet so manchen Hype.
